Die Sache mit der Nachhaltigkeit

In Gesprächen höre ich immer wieder von Unsicherheiten und Zweifeln, die die Menschen in Bezug auf ein möglichst nachhaltig geführtes Leben haben. Aber nicht etwa, weil Nachhaltigkeit für sie keinen Thema wäre, sondern weil eine geballte Ladung an Nachhaltigkeitstipps hier und ungeschriebenen Gesetzen da ganz schön einschüchternd wirken können. Das kann ich übrigens sehr gut nachvollziehen, denn mir ging es vor nicht allzu langer Zeit ganz ähnlich.

Die Nachhaltigkeitsgurus scheinen überall zu sein und manchmal wird es gerne so dargestellt, als seien sie allwissend. Dieses Thema ist da allerdings kein Einzelfall, denn dieses Phänomen begleitet so ziemlich jeden aktuellen Hype, so zum Beispiel auch den Veganismus und die Achtsamkeit. Es scheint ein regelrechter Wettbewerb zu sein wer denn nun am nachhaltigsten lebt, denn je extremer, desto besser, so scheint es. Dieses missionarische Vorgehen mochte ich schon von Seiten der Kirche nie, da brauche ich es auch nirgendswo anders, denn es schränkt mich in meiner Freiheit ein. Ich will von niemandem zum Konvertieren überredet werden, auch nicht in Sachen Lebensweise, doch für manche scheint es tatsächlich zu einer Art Ersatzreligion geworden zu sein.

Allerdings bin ich der Meinung, dass durch dieses Verhalten das eigentliche Ziel völlig verfehlt wird. Schliesslich sollte es dabei doch nicht darum gehen, wie viele andere ich davon überzeugen kann, dass meine Lebensweise die beste ist, sondern darum, dass ich mein Leben frei, meiner Überzeugung nach gestalten kann. Daher kann ich die Unsicherheit vieler verstehen, denn auch ich will nicht aus schlechtem Gewissen und Zwangsgefühl „mitmachen“, sondern weil ich einen Sinn dahinter erkenne und ein für mich besseres Leben führen kann. Diese Sinnhaftigkeit ist enorm wichtig, denn ohne dieses Gefühl wird es ansonsten sehr schwierig nach der Anfangseuphorie noch weiterzumachen.

Wenn mich daher jemand fragt, wie man es richtig macht, dann gebe ich gerne folgende Tipps: 

  • Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur den ersten Schritt und weitere Erfahrungen, die wir als hilfreich oder hinderlich empfinden
  • Beginne erst mal damit dich zu beschäftigen. Lies darüber und mach dir ein Bild davon.
  • Fange einfach an. vielleicht merkst du, dass das eine oder andere dir leichter fällt und kannst es in deinen Alltag integrieren.
  • Lass dich nicht auf Konkurrenzspielchen ein, mach dein Ding in deinem Tempo, in deinem Ausmass.
  • Verurteile dich nicht, nur weil nicht immer alles auf Anhieb gelingt und lass dich auch nicht von anderen verurteilen, die dir besserwisserisch unter die Nase reiben, es wäre nicht genug oder richtig was du tust

Schritt für Schritt zum Ziel

Nachhaltigkeit ist ein weiter Begriff, der viele Aspekte unseres Lebens abdecken kann und wir müssen nicht gleich alles von 0 auf 100 ändern. Wir alle haben Verbesserungspotential und können es auf verschiedenste Weise umsetzen, doch über andere zu urteilen, damit ist am Ende niemandem geholfen. Viel klüger ist es sich über die eigene Lebensweise Gedanken zu machen. Vielleicht entscheidest du dich nicht mehr in den Urlaub zu fliegen. Vielleicht verkaufst du dein Auto und setzt fortan auf umweltschonendere Fortbewegungsmittel. Vielleicht aber liegt es dir auch ganz besonders am Herzen möglichst plastik- und vepackungsfrei zu leben, oder du findest ganz andere Möglichkeiten die Umwelt zu schonen, zum Beispiel in dem du etwas wieder aufbaust was zerstört wurde. Die Möglichkeiten sind vielfältig und alle davon sind auf ihre Weise wertvoll.

Kein Verzicht sondern viele Alternativen
Verzicht. Ich mag dieses Wort ohnehin nicht besonders, denn Verzicht hat immer etwas damit zu tun, dass wir uns etwas nicht erlauben, was wir eigentlich brauchen und wollen. Verzichten tue ich als umweltbewusste Person in Wahrheit auf nichts, sondern ich finde alternativen, die umweltfreundlicher sind, als dass, was ich bisher gemacht oder verwendet habe. Für mich bedeutet das bewusster und daher auch intensiver zu leben und wertzuschätzen, was ich auf welche Weise erlebe.

Was mich dabei anspornt? Die Hoffnung, dass auch möglichst viele Generationen nach mir noch die Wunder unserer Welt erleben und geniessen können. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig kitschig, doch es wäre schön, wenn auch sie die Chance hätten zu sehen, warum es denn überhaupt wert ist unsere Welt intakt zu halten. Vielleicht denkst auch du ähnlich, oder aebr du hast einen anderen Sinn für dich entdeckt? Folge ihm, wenn es sich richtig anfühlt und lass dich auch deinem Weg nicht entmutigen. Ich glaube er ist es absolut wert gegangen zu werden, egal auf welche Weise und in welchem Tempo.

1 Kommentar:

  1. Es ist toll, dass Du nicht auch auf der Schiene: Du musst dies und Du darfst dies nicht mitmachst.
    Manchmal ist es ganz schön streng die vielen "perfekten" Zero waste und ich weiss wie es geht Beiträge zu lesen.
    Wir tun meistens unser bestes und könnten wahrscheinlich noch mehr tun. Aber es kommt Schritt für Schritt.
    Die Sandwiches in Bienenwachs-Stoff mitzunehmen hat fast 1 Jahr gebraucht, bis die Family mitmacht. Jetzt geht es.
    Habs gut. Grüess Pascale

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