Wie ihr wisst, bin ich fasziniert von Kulturen, Mythen und Geschichten. Was ich auch immer als unheimlich spannend empfinde ist, wenn Kulturen sich an einem eigentlich "fremden" Ort entfalten können. Fremd in Klammern deshalb, weil es nach so vielen Jahren und Generationen natürlich kein fremdes Land mehr, sondern ein Zuhause geworden ist. Dennoch würde man diese Kultur eigentlich an einem ganz anderen Ort erwarten. Eines dieser Phänomene sind die berühmten Chinatowns, wie man sie ausserhalb Chinas rund um die Welt findet.

In San Francisco zum Beispiel ist die chinesische Kultur noch so präsent, dass viele der älteren Menschen in Chinatown noch nicht mal richtig english sprechen - das  habe ich während meiner Zeit dort selbst erlebt. Tatsächlich gibt es da Einwohner, die ihr chinesisches Viertel kaum verlassen. Es gibt dort Einkaufsmöglichkeiten, Ausgehmöglichkeiten - ja sogar chinesische Schulen. Sie leben in ihrer eigenen kleinen chinesischen Welt. Speziell, nicht wahr? Aber eben auch unheimlich spannend. Im Gegensatz dazu ist Londons Chinatown noch lange nicht so stark in sich gekehrt. Alles ist viel offener, jedoch ohne seinen besonderen Charme zu verlieren.

PAIFANGS UND PAILOUS
Dieses typisch chinesische Tor, auch als Pailou oder Paifang bekannt, wie man es in Chinatowns rund um die Welt findet, hat mich bei meinem letzten London Besuch ganz besonders in seinen Bann gezogen. Ich habe während meiner Reisen schon einige Chinatowns gesehen, unter anderem die beidem grössten der Westlichen Welt in San Francisco und Vancouver, aber auch jenes in Kuala Lumpur. Paris rühmt sich übrigens mit dem grössten Chinatown Europas - was ich allerdings nicht bezeugen kann, da ich bei meinem letzten Besuch der französischen Hauptstadt vor über zehn Jahren nicht im chinesischen Viertel war. Das schönste Chinatown bisher für mich ist aber ohne Frage das in London.

Die chinesischen Schriftzeichen gepaart mit den typisch englischen Backsteinhäusern haben einfach einen ganz besonderen Charme. Aber auch das eben schon erwähnte Tor und nicht zuletzt die Nähe zu so vielen sehenswerten Orten Londons sprechen für einen Besuch von Londons chinesischem Viertel.



WAS LONDONS CHINATOWN ZU BIETEN HAT
Hier findet man nicht nur eine grosse Auswahl an Asiatischen Restaurants und Bars, oder Ramschläden in denen man sich für wenig Geld ein chinesisches Amulett kaufen kann, es gibt auch ein paar wunderbare Orte was Traditionelle Chinesische Medizin angeht. Ihr wisst ja, mich fasziniert Naturmedizin, daher lasse ich es mir auch nicht nehmen im Urlaub die Chance zu ergreifen in alte, traditionelle Apotheken zu schauen wann immer es sich ergibt.

Das schöne an Londons Chinatown ist allerdings auch, dass es sich an einem Ort befindet, der gerade für Touristen perfekter nicht sein könnte. Chinatown liegt nämlich im angesagten Londoner Viertel Soho, östlich befindet sich das ebenso angesagte Covent Garden Viertel, im Süden der Leicester Square mit all seinen Theatern und Kinos und westlich davon der Picadilly - ja ihr versteht schon was ich meine, wer London's Chinatown nicht mindestens einmal besucht hat, hat vermutlich sein Hotelzimmer erst gar nicht verlassen.

In Supermärkten wie See Woo oder New Loon Moon findet man exotische Ware, zum Beispiel Früchte oder Gewürze und auch Golden Gate Cake Shop mit seinen über 80 Sorten orientalischer Cakes und Backwaren scheint nicht nur bei den Touristen, sondern auch bei den Einheimischen sehr beliebt zu sein. Ausserdem bietet Chinatown nicht nur chinesische Restaurants, sondern allgemein bunt durchmischtes aus dem Asiatischen Raum. Mehr Infos und Tipps findest ihr übrigens auf der offiziellen Chinatown Website.

Ihr Lieben, eigentlich bin ich ja ein absolutes Zwischenjahreszeitskind. Sehr heisse und vor allem feuchte Temperaturen vertrage ich nur bedingt und schleiche dann schon mal gerne dem Schatten nach, wo es nur geht. Auf der anderen Seite bin ich auch ein kleiner "gfrörli", was bei uns in der Schweiz soviel heisst wie: Ich bin jemand, der rasch kalt hat. Sonne finde ich daher prinzipiell etwas ganz tolles - nur eben nicht, wenn sie mich schmelzen lässt, wie ein Schneemann beim Erblicken des ersten warmen Sonnenstrahls.

Letzten Freitag jedoch, habe ich nebst des sommerlichen Schmelzgefühls auch seit langem wieder mal ganz bewusst die Vorzüge des Sommers genossen. Ich habe mich über mittag in den Park gesetzt, mein Essen im Schatten eines alten Baumes gegessen und bin anschliessend Barfuss über die Wiese gelaufen - ihr Lieben, ich habe mich ganz einfach wieder mal spontan geerdet und das hätte ich - der Gförli - mitten im Winter nicht tun können.

Als dann gestern Abend der Wind stärker wurde und wenig später mitsamt Gewitter die ersehnte Abkühlung brachte, war ich wieder in meinem Element. Deshalb ist es mir auch so wichtig meine Reisen mit allen Sinnen zu erleben, denn ich finde diese Art zu erleben gibt uns, oder zumindest mir, unheimlich viel.

Den Sommer liebe ich deshalb so sehr, weil all diese Gefühle, diese Sinne, die während des Winters oftmals stark nach innen gerichtet sind, endlich ihre Entfaltung nach aussen finden. Heute sind die Temperaturen schon wieder viel angenehmer, der Wind bringt die Blätter vor meinem Fenster zum tanzen und die Vögel singen um die Wette. Für mich ist es einer dieser perfekten Tage um zu schreiben - was will man mehr?

Habt alle einen zauberhaften Sonntag!