Was Whale Watching in Kanada mich gelehrt hat

by - August 29, 2017




Ziemlich genau sieben Jahre ist es jetzt her seitdem ich zum ersten Mal in Kanada war. Lange hatte ich davon geträumt dieses Land zu bereisen, seine Natur zu erfahren und seine Kultur näher kennenzulernen. Im Juli 2011 war es dann soweit, meine Familie und ich hatten entschieden für vier Wochen über den grossen Teich zu hüpfen um das zweitgrösste Land der Welt zu bereisen. Über unsere Reiseroute der ersten beiden Wochen durch Kanadas Westen hatte ich vor einer Weile schon mal geschrieben. Wer gerne mehr darüber erfahren möchte, findet den Artikel unter: Eine Reise durch die Wildnis Kanadas.

Diesen Post jedoch möchte ich einem ganz besonderen Erlebnis widmen, welches mir damals in Victoria auf Vancouver Island zuteil wurde. Schon seit meiner Kindheit fasziniert mich die Natur und ihre Mysterien. Mich interessieren Kulturen, insbesondere solche, die noch immer stark mir den alten Geschichten und Bräuchen verbunden sind.

Meine persönliche Geschichte mit den Orcas war vorbelastet durch den berühmten Film Free Willy aus dem Jahr 1993. Diesen hatte ich mit etwa sieben oder acht Jahren zum ersten Mal geschaut und von da an war ich fasziniert von Orcas. Allerdings hatte mich weniger die Beziehung zwischen dem Jungen und dem Wal interssiert, sondern viel mehr das, was sein Mentor Randolf Johnson (gespielt von August Schellenberg) über diese Tiere und ihre Bedeutung für die Ureinwohner zu erzählen hatte. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich dieses Gefühl ihnen so nahe zu sein (na ja, vielleicht nicht ganz so nahe wie der Junge im Film) selbst einmal erleben wollte.

WHALE WATCHING AUF VANCOUVER ISLAND
Tatsächlich lässt der Orca an der Westküste Kanadas auch nicht lange auf sich warten, denn er begegnet einem überall - in Form von schmucken Anhängern, Figuren oder sogar als Wandmalerei. Seine Bedeutung für die hiesigen Einwohner ist daher kaum zu leugnen und als nettes Souvenir für Touristen in Form von Schmuck sieht er auch sehr schick aus. Aber so ganz zufrieden war ich damit noch nicht. Mit solch einem Traum wie meinem im Gepäck war klar, sollte ich einen Ausflug zu den Orcas der Umgebung machen können, würde dies auf jeden Fall eines meiner ganz grossen Urlaubshighlights werden.

 In Victoria bekamen wir dann die Chance mit einer jungen Gruppe Meeresbiologen hinauszufahren.
Allerdings stand unser Bootsausflug  anfänglich unter keinem guten Stern. Früh morgens ging es los. Es war neblig und die Meeresbiologen hatten uns schon vorgewarnt, dass es auch gut sein kann, dass wir heute kein Glück haben. Wir wollten es dennoch versuchen und so haben sich mein Vater und ich aufgemacht um die Wasserwildnis Kanadas zu erforschen.

Erst hörte man noch die Geräusche der Stadt, das Singen der Wasservögel, doch das wurde von Minute zu Minute leiser bis nur noch der Motor unseres Bootes und das dagegenprallen der Wellen zu hören war. Noch immer war der Nebel so dicht, dass wir kaum etwas ums Boot herum sehen konnten und schon nach etwa zwanzig Minuten schien es so, als ob die Welt um uns herum den Atem angehalten hätte. Als der Kapitän kurz darauf den Motor des Bootes abgestellte, erschien mir der Moment schon fast surreal. Jetzt hiess es warten und beobachten, das Team berichtete uns in der Zwischenzeit einiges über die Natur und die Tiere der Umgebung.

Während weiterer zehn Minuten geschah nichts, doch dann in der Ferne waren auf einmal schwarze Punkte zu erkennen.Wir hatten Glück! Eine ganze Orca Familie war in der Ferne zu sehen, zwar noch relativ klein, aber immerhin. Wir fuhren ihnen ein Stück weit entgegen um sie besser beobachten zum können und je näher wir ihnen waren, desto mehr begann unser Boot zu schaukeln. Die Meeresriesen liessen sich allerdings nicht von uns stören und vergnügten sich in ihrer gewohnten Umgebung.

DAS HABEN MICH ORCAS GELEHRT
Was ich an Erfahrungen wie dieser so sehr liebe? Wenn man mit einem kleinen Boot weit draussen auf dem Meer ist und dann plötzlich vor einer Gruppe mäjestetischer Meeresriesen steht, durch die das kleine Boot ganz schön ins Wanken kommt, dann wird mir bewusst, wie klein und unbedeutend ich in diesem Grossen und Ganzen bin.

Man könnte meinen diese Aussage sei abwertend, doch um ehrlich zu sein ist dieses Gefühl einfach grossartig.Wie oft fühlen wir Mensch uns gegenüber allem anderen erhaben? Wie oft haben wir das Gefühl, wir seien die einzigen auf diesem Planeten, die die Welt auch nur annähernd verstehen? Wie oft glauben wir so viel wichtiger zu sein, als Tiere, Pflanzen oder gar das Universum? Ist das nicht eher ziemlich arrogant von uns? Diese Arroganz verleitet uns dazu die Welt retten zu wollen, denn wenn nicht wir, wer sollte es sonst können? Schliesslich sind wir das Wichtigste, was das Universum zu Stande gebracht hat, nicht wahr? Nun, wann immer ich mich wieder mal so richtig klein und unbedeutend fühle, dann spüre ich gleichzeitig eine ungeheure Verbundeheit, denn ich verstehe nicht nur, dass ich ein Teil des Ganzen bin, ich erlebe es in diesem Moment in seiner ganzen Umfänglichkeit.

Kann ich die Welt verändern oder vielleicht sogar verbessern? Nun, ich kann mich verändern, dazulernen und wachsen und dadurch kann ich auch ein Stück weit die Welt verändern. Aber nein, retten (vor wem oder was auch immer) muss ich sie nicht, das hat sie gar nicht nötig. Allerdings hat sie es verdient mit Respekt behandelt zu werden und das versuche ich zu tun. Wann immer ich eine Erfahrung wie diese habe, dann erinnere ich mich an genau das und ja, ich glaube das ist etwas sehr Gutes.

You May Also Like

0 Kommentare

Ich freue mich, dass du dir die Zeit nimmst mir eine Botschaft zu hinterlassen und bin gespannt auf deine Anregungen, deine Meinung und konstruktive Kritik. Möchtest du lieber auf andere Weise mit mir in Kontakt treten? Dann tue dies am besten übers Kontaktformular oder direkt per Email.