Reist du noch oder erlebst du schon?

by - Juli 25, 2017


REISEN VS. ERLEBEN
Reisen ist nicht gleich erleben, zumindest nicht zwingend. Wie oft habe ich schon von Leuten zu hören bekommen, wo sie überall waren, doch wenn ich dann etwas genauer nachgefragt habe, hatte mein Gegenüber nicht wirklich eine Ahnung über die Kultur, die Geschichte oder zum Teil sogar über das Essen des Landes. Gut, manchen gefällt es in einem fremden Land zu sein, dann aber doch alles wie Zuhause vorzufinden und wehe es gibt hier keine Rösti mit Zürigschnätzlets (Denn ein Fondue bei über 30°C wäre wohl im Urlaub doch etwas zu viel verlangt). Natürlich hat man dann schon etwas erlebt, nämlich dass man auch in der Ferne möglichst so leben kann wie daheim. Aber geht es beim Reisen wirklich darum?

Manchmal kommt es mir so vor als wolle jeder schon überall gewesen sein, aber keiner will so wirklich etwas Ungewohntes und Neues - geschweige denn eine fremde Kultur erleben. Reisen? Ja unbedingt, aber bitte nicht ausserhalb meiner Komfortzone, sonst wird hyperventiliert.

Klar, jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel Neues er aus welchen Gründen auch immer auf seiner Reise zulässt. Ich schreibe das hier nicht um über andere zu urteilen. Was ich tatsächlich damit bezwecken will ist ganz einfach mal in sich zu fühlen und ehrlich zu sich selbst zu sein.

BEWUSST REISEN
Für mich hat diese Ehrlichkeit sich selbst und den eigenen Gefühlen, sowie Zielen gegenüber sehr viel mit bewusstem Reisen zu tun: Was habe ich während meiner letzten Urlaube viellicht nicht gewagt, was ich hätte wagen sollen? Was habe ich dadurch verpasst? Habe ich die Kultur des Landes tatsächlich erfahren können und zwar mit allen Sinnen? Oder bin ich vielleicht aus Bequemlichkeit doch lieber in meiner scheinbar so sicheren Komortzone geblieben?

Ich selbst stelle mir diese Fragen mittlerweile vor jeder Reise, denn ich kenne mich gut. Ich weiss wie weit ich gehen kann, wie weit ich meine Komfortzone verlassen kann und wo meine Grenzen dann entgültig erreicht sind. Mehr über fremde Kulturen zu lernen, einiges persönlich erleben - das ist mir wichtig. Ich war noch nie ein Fan von husch, husch einen Ort besuchen. Durch möglichst viele Länder zu reisen nur um dort gewesen zu sein, daran finde ich einfach kein Gefallen.

Für mich bedeutet reisen gleichzeitig  persönliches Wachstum, sei dies kulturell oder spirituell - im besten Fall ist es etwas von beidem. Da kann ich mich mit einem zweitägigen Shoppingtripp weiss ich wohin oder irgendwo Pary machen einfach nicht zufrieden geben. Wenn ich mir dann vor meinen Reisen jeweil die oben gestellten Fragen beantworte, dann weiss ich, dass mein Potential darin liegt sie so zu gestalten, dass ich nicht nur reise, sondern mit all meinen Sinnen erlebe.

WIE WIRD EINE REISE ZU EINEM ERLEBNIS?
Mit ehrlichem Interesse, Offenheit und einer guten Portion Beharrlichkeit. Wenn ich interessiert bin während meiner Reise etwas zu erleben, dann bereite ich mich schon mal ganz anders darauf vor. Vielleicht übers Interenet oder mit Hilfe eines Buches. Vielleicht kenne ich jemanden, der aus meinem Reiseziel stammt, oder jemanden, der schon oft dort war. Ich habe aber auch gelernt, dass ich mit meiner Weltoffenheit einem echten Erlebnis immer ein ganzes Stück näher bin. Ich bereite mich daher nicht nur vor, ich lasse mich auch ein Stück weit von Ideen und Inputs leiten.
 
Ein dritter wichtiger Punkt, der mich während meiner Reisen in Sachen Erlebnis schon oft weit gebracht hat ist Beharrlichkeit. Als ich vor etwas über einem Jahr geschäftlich nach Kuala Lumpur fuhr, hat sie mich davor bewart einer dieser oft typischen: "ich bin zwar eine Woche dort, bekomme aber doch nichts zu sehen Trips. Furchtbar!

Als ich dort ankam habe ich meine Arbeitskollegen und Leute aus dem Hotel gefragt,was ich denn nach meinem Arbeitstag und am Wochenende unternehmen könnte, was es hier möglichst autentisches zu erleben gäbe. Die Antwort war allerdings eher ernüchternd: Petronas Towers und Shopping Malls -  keine goldigen Aussichten für jemanden mit dezenter Shoppingflucht und einer etwas weniger dezenten Höhenangst (obwohl ich mich am Ende trotztem hinauf gewagt habe). Es konnte doch nicht sein, dass man in einer Stadt wie Kuala Lumpur nichts weiter tun konnte als DAS.

Also habe ich das ganze selbst in die Hand genommen. Da ich an der Kultur, Natur und an den hiesigen Tempeln interessiert war, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen mich selbst schlau zu machen. Ich hatte von einem berühmten Hindu Tempel gehört, der sich in Kalksteinhölen, etwa eine halbe stunde ausserhalb der Stadt befand. Der Hinduismus ist in Malaysia zwar nur die viertgrösste Religion was etwa 9% der Bevölkerung ausmacht, dennoch klang dieses aussergewöhnliche Konstrukt für mich sehr spannend und da ich im Büro mit vielen indischstämmigen Kollegen zu tun hatte, würde ich hier bestimmt mehr informationen darüber erhalten und genau so war es. Als meine Kollegen bemerkten, dass mein Interesse nicht nur oberflächlich sondern echt war, waren sie mehr als erfreut mich in ihre Kultur, Essgewohnheiten und die Geschichte des Tempels einzuweihen. Alles, dank meiner Beharrlichkeit.

Natürlich ist das nur eines von vielen Beispielen, die eine Reise zu einem Erlebnis machen können. Es ist aber auch ein sehr schönes Beispiel dafür was alles möglich ist, wenn einem wirklich etwas am Herzen liegt. Für mich hat sich die Reise schlussendlich, trotz des Zeitmangels und anfänglicher Schwierigkeiten, auf jeden Fall gelohnt.

Meinen Ausflug zu den Petronas Towers, in die Petaling Street und ins typisch malaiische Viertel Bukina Bitang findet ihr übrigens in meinem Blogpost 5 Dinge die du in Kuala Lumpur erleben solltest. Meine Reise zum Hindutempel in den Batu Caves findet ihr in meinem Post über Murugans Höhlen und meinen Besuch eines authentisch südindischen Restaurants mit meinen indischen Kollegen findet ihr unter meinem Restaurant-Tipp: Betel Leaf.

Jetzt bleibt mir eigentlich nur noch die Frage wie  ihr eure Reisen jeweils zu einem Erlebnis macht? Beziehungsweise: Reist ihr noch oder erlebt ihr schon?

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