Ein wenig Filmfeminismus meinerseits oder: Männerfilme die keine sind

by - April 08, 2016

Das Friends Film Set in den Warner Bros Studios, Burbank (2014)
Als ich gestern Abend ein Film-Review eines lieben Kollegen zur Deadpool Verfilmung las, musste ich an einem einem Punkt schmunzeln. Da wurde doch tatsächlich die alte Schublade von Männer- bzw. Frauenfilm ausgepackt und Deadpool, wegen seiner actionreichen, derben und zum teil machomässigen Art, als typischer Männerfilm bezeichnet. Während,zum Vergleich als typischer Frauenfilm, dann kurzerhand Dirty Dancing erwähnt wurde.

Nun gut, ich möchte meinen Kollegen hier bestimmt nicht schlecht machen und muss zugeben, wenn wir in Klischees denken, dann wäre die Aufteilung vermutlich tatsächlich in etwa so ausgefallen, wie eben erwähnt - zumindest in den Köpfen der meisten Menschen. Genauso wie wir nach wie vor dieses Klischeebild im Kopf haben von Mädchen, die nur mit Puppen spielen, während Jungen nur mit Autos spielen. Oder das absolut hirnrissige Ding mit den Farben blau und rosa.

KLISCHEE ODER NICHT KLISCHEE
Als ich nun diesen Abschnitt am lesen war, dachte ich mir nur: „Wenn der wüsste“ und ertappte mich mich selbst mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Dass Frauen nicht über sarkastische oder obszöne Witze lachen können, oder gar selbst sarkastische Gags bringen können, ist eine in der Tat sehr moderne Denkweise, meine Herren. Als Humor Junkie möchte ich persönlich kein Leben ohne Sarkasmus leben und ein Menschlein ohne sarkastische Ader ist bei mir ganz einfach fehl am Platz. Ihr könnt euch meinen Freundeskreis anhand dessen in etwa vorstellen. Doch ich möchte nicht nur speziell darauf eingehen, sondern mal allgemein von dieser Einteilung Männer- und Frauenfilm abkommen und nehme daher gerne mal mich selbst als Beispiel einer wohl untypischen Frau, zumindest in Bezug auf das Filmbusiness.

Zum Glück leben wir bekanntlich nicht mehr im tiefsten Mittelalter, wo Aufgaben und Interessen klar getrennt sind und so kann es tatsächlich passieren, dass einige von uns Frauen auch ganz gerne Actionfilme schauen. Gerade für mich als Frau UND Film-Fan ist es traurig, mich ausschliesslich mit "Frauenfilmen" zu beschäftigen, weil sie (A) meistens nur davon handeln von irgend einem Prinzen auf 'nem alten Gaul gerettet zu werden und (B) weil man bei den Liebesschnulzen ohnehin in den ersten zehn Sekunden weiss, wer am Ende zusammenkommt. Leute das ist LANGWEILIG! (Sprich: STINKLANGWEILIG)

DAS KIND DER 80er UND 90er
Filme wie The Blues Brothers, Ghostbusters (ich bin schon total gespannt auf Nr. 3 – habt ihr den Trailer dazu schon gesehen?) haben mich in meiner Jugend geprägt und ich liebe sie bis heute. Bis zum heutigen Tag bin ich auch Sci Fi begeistert und kenne jeden einzelnen Film und die Serie (inkl.Spin-offs) der Stargate Saga. Ich war damals ein echter hardcore Fan, wollte deshalb sogar nach Vancouver nur um zu sehen, wo meine Helden ihre Serie drehen. Oder wer erinnert sich noch an MIB

Auch ich mag „typische Frauenfilme“ (sprich: Liebesfilme) aber eben nur dann, wenn das Filmteam und da spreche ich vor allem von den Drehbuchautoren sowie dem Regisseur auch ein wenig mitgedacht hat und eben nicht nur auf "Oh Rose, Oh Jack" gemacht wird (Nee Titanic ist leider auch nicht so meins). Richtig gute Liebesfilme finde ich hingegen zum Beispiel La vita è bella, Pracital Magic oder Big Fish (ich bin ja bekanntlich ein kleiner Tim Burton Fan)...ob das typische Frauenfilme sind, weiss ich nicht – die Einteilung überlasse ich da lieber anderen, die das sehr viel besser können als ich. Vielleicht könnte man French Kiss als solchen bezeichnen? Ich finde den Humor und das Zusammenspiel der beiden ganz einfach super, auch wenn ich ansonsten kein grosser Meg Ryan Fan bin.

Auf der anderen Seite mag ich genauso gerne Komödien und mir ist da echt fast nichts zu blöd. The Life of Brian? Klasse! Men in Thights? Mehr davon bitte! oder auch deutsche Filme wie Der Schuh des Manitu, oder der Wixxer - ich mag es auch einfach mal etwas total bescheuertes zu sehen, das bringt mich zum lachen und tut dem Herzen gut.

REINE GESCHMACKSSACHE
Für mich gehört zu einem guten Film eben ganz einfach mehr als ein bisschen Action, ein bisschen Geknutsche oder ein paar gute Dialoge. Es ist das Gesamtbild, welches mich interessiert und was mir der Film bzw. das Filmteam damit sagen möchte. Ist die Geschichte für mich überzeugend? Wie ist es mit den Schauspielern? Wie wurde das ganze umgesetzt? Jedes Genre hat seine Vor- und Nachteile, doch in jedem erwarte ich, dass es für sein ganz eigenes Genre gut gemacht ist. Natürlich erwarte ich bei einem schwarz-weiss Film nicht dieselbe Bildqualität, wie bei einem Actionfilm aus heutiger Zeit. Genausowenig erwarte ich, dass ein Schauspieler in einem modernen Film, seinen Charakter gleich darstellt, wie jemand, aus einem Stummfilm. Aber ich erwarte, dass es eben für das eigenen Genre stimmig ist.

Und nein, ich schaue einen Film nicht nur weil da ein lecker Kerlchen ist, der alle zehn Minuten seinen Knackarsch in die Kamera hält. Gut, zugegeben, auch ich freue mich über Filme mit Hugh Jackman und ja, Chris Hemsworth ist auch nicht übel (obschon ich ja eigentlich eher ein Hiddlestoner bin). Klar freue ich mich, wenn da ein Charakter mit dabei ist, der auch nett anzuschauen ist, doch es muss eben ganz einfach passen. Ich schaue keinen Film, von dem ich glaube er könne mich nicht überzeugen, nur weil da jemand mit dabei ist, der gut aussieht.

Gerade an Marvel-Filmen zum Beispiel mag ich ausserdem, dass sie ihre Besetzung nicht nach Berühmtheitsgrad aussuchen, sondern danach ob man ihnen die Rolle auch tatsächlich abkauft und das halte ich für einen wichtigen Punkt bei der Wahl der der Schauspieler.

Ich bewundere Schauspieler wie Alan Rickman, Helen Mirren der Kate Winslet und finde, dass Colin Firth im Film The King's Speach einfach herausragend war. Klar, das gehört alles zum persönlichen Geschmack, was ich damit sagen möchte ist, dass es eben mehr gibt, als dieses oberflächliche Klischee und nicht alle Frauen geben sich mit seichten Hollywoodschnulzen zufrieden.

DEADPOOL ALS KLEINES MARKETING WUNDER
Was nun Deadpool betrifft: Tatsächlich ist es so, dass ich schon die ganze Marketingstrategie, Wochen wenn nicht sogar Monate vor Kinostart von Deadpool gespannt mitverfolgt habe, denn ich war absolut begeistert! Eine derart perfekte Werbung habe ich selten, wenn nicht sogar noch nie zuvor gesehen. Noch dazu wusste ich was von dieser Ecke zu erwarten war, schliesslich ist Marvel Entertainment schon seit Jahren dabei etwas Grossartiges auf die Beine zu stellen.

Wie gesagt, ich möchte meinen Kollegen in keinster Weise irgendwie blossstellen, nur bin ich eine Frau mit einer Stimme und so sehe ich es auch ein wenig als meine Aufgabe zu zeigen, dass die Welt nicht mehr nur typisch Mann und typisch Frau ist, auch wenn es uns diese simple Aufteilung erlaubt manches in unserer Denkweise vereinfacht einzuordnen.

Wie ihr seht kann die moderne Frau von heute also durchaus ihren weiblichen Pflichten wie dem Kochen und schmeissen des Haushalts nachkommen und nebenbei dennoch einen Actionfilm schauen. Wir sind eben Multitasking fähig, habe ich mir zumindest sagen lassen...

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