{Life Lately} Manchmal ist es eben einfach genug

by - März 04, 2015

Hallo ihr Lieben,

Die Woche hatte so gut angefangen, zumindest habe ich mir das eingeredet. Klar, die Beerdigung meines Grossvaters am Freitag war traurig, aber eben auch nicht nur, denn es war schön Familienmitglieder wieder mal zu sehen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und gemeinsam Abschied von ihm nehmen zu dürfen. Sogar die starke Erkältung, so hatte ich das Gefühl, war nur halb so schlimm.

Dann war noch der Stress bei der Arbeit, doch auch das war nichts Neues und ich glaubte fest daran, dass sich das bald wieder etwas legen sollte. Schliesslich hatte ich auch Unterstützung, war nicht alleine, das hätte also meiner Meinung nach schon gehen sollen.

Dass ich dann aber seit zwei Wochen nicht mehr richtig geschlafen hatte und auch mein Appetit sich seither verabschiedet hat, hat mich dann anscheinend doch ganz schön aus der Bahn geworfen. Am Montag gegen Mittag sass ich nur noch zitternd, heulend und leider auch immer noch stark hustend vor dem Computer, also ging ich nach Hause. Mein Roomie hat mich dann am Abend zum Ärztezentrum geschleppt, denn von alleine wäre ich wohl nicht gegangen, doch leider war vor Donnerstag Nachmittag nichts mehr frei.

Am nächsten Tag habe ich dann versucht woanders einen schnelleren Termin zu bekommen, doch auch da war beim besten willen kein früherer Termin frei.  Ich hatte das Gefühl, dass niemand der mir hätte helfen können, es auch wollte und dass jene, die mir gerne helfen wollten, es einfach nicht konnten. Nun, das hat mich die letzten zwei Tage wie ohnmächtig werden lassen. Angst, Selbstmitleid und zeitweise ein wenig Verzweiflung haben mich durch den Tag begleitet.

Diejenigen, die schon mal in der Form mit ihrer Psyche zu kämpfen hatten, werden wissen was ich meine. Für Menschen, die so etwas noch nie erlebt haben allerdings ist das nur schwer nachzuvollziehen, das ist mir bewusst.

Heute morgen bin ich aufgewacht und es ging mir psychisch wieder ziemlich schlecht. Eine Weile lag ich im Bett, weinte und hatte auch ein schlechtes Gewissen, weil ich gerade nicht so funktionierte, wie es von der Gesellschaft verlangt wird. Doch das schlimmste war, dass mir dann bewusst wurde, dass ich in der letzten Zeit kein einziges mal mich selbst gefragt hatte, was ich denn brauche, damit es mir wieder besser geht. Es war immer nur ein "es muss gehen", "was tun, dass ich wieder funktioniere?" oder ein "ich muss mich zusammenreissen, ich kann doch nicht so lange krank sein."

Als ich also heute im Bett lag, begann ich nachzudenken. Ich fragte mich, was für mich nicht stimmt und was ich tun könnte, damit es mir, wenn auch nur schon auf den Moment, besser geht. Also begann ich mir Gedanken zu machen und folgendes ist dabei rausgekommen:

  • Ich leihe meinen Gefühlen ein Ohr, gebe ihnen die Möglichkeit sich auszudrücken und versuche mich auch nicht mehr dafür zu schämen.
  • Auch muss ich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich mal nicht so funktioniert habe, wie es andere von mir verlangen. Die letzten Tage habe ich eben ganz einfach gebraucht um den Willen wieder gesund zu werden zurückzuerlangen.
  • Ich ziehe jeden Tag eine Affirmationskarte, mit der ich an diesem Tag arbeite
  • Ich genisse jeden Augenblick, den ich in der Natur verbringe und versuche mir jedes gute Gefühl dabei gut einzuprägen
  • Ich lese Bücher, schaue Filme oder Videos, die mich aufmuntern 
  • Ich versuche dann zu essen, wenn ich Hunger verspüre und auch zu essen, worauf ich am ehesten Appetit habe. (Leider ist das mit dem Appetit derzeit so eine Sache.)
  • Ein Freier Tag soll es auch bleiben und ich werde an diesem Tag nicht mehr ins Büro fahren, auch nicht für ein paar Stunden. Wenn ich frei habe, dann entspanne ich.
  • Von Menschen, die mir nicht gut tun halte ich mich fern und widme mich jenen zu, die mir gut tun und positiv sind, denn da will auch ich hin und schliesslich zieht gleiches auch gleiches an.
  • Ich schreibe alles hier in meinen Blog und sehr bewusst öffentlich, denn auch das gehört zu meinem Prozess der Akzeptanz. Es ist keine Schande krank zu sein und noch viel weniger denn Willen zu haben wieder gesund zu werden.
  • Ich meditiere und visualisiere mein Ziel gesund zu werden
  • Ich werde wieder mit Kinesiologie beginnen, denn das hat mir damals sehr geholfen
  • Ich schreibe auf was ich in meinem Leben ändern will, damit ich wieder zurück in den Ausgleich finde.
  • Seitdem ich am Freitag meine ganze Familie wiedergesehen habe, verspüre ich den grossen Drang wieder mal nach Luzern zu gehen. Das plane ich nun auch für diesen Frühling.

All dies schreibe ich mir auf um es mir vor Augen zu halten. Nichts von alldem möchte ich vergessen und wenn ich wieder in ein Tief falle, soll ich es mir wieder anschauen können.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich mit einer solchen Krankheit nicht alleine bin. Viele verschliessen sich vor diesen Problemen, nehmen sie nicht ernst. Schliesslich ist es doch "nur" psychisch und wir brauchen uns doch "nur" zusammenzureissen, dann geht das schon. Aber manchmal geht es eben nicht mehr und wir sollten und nicht dafür schämen zuzugeben, wenn wir Hilfe brauchen.


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7 Kommentare

  1. Danke für diesen ehrlichen Post! Du bist wirklich nicht allein damit!
    Fühl dich gedrückt.
    Frau P

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    1. Vielen herzlichen Dank. Es war nicht einfach so offen darüber zu schreiben, aber es war auch irgendwie befreiend. :)

      Liebe Grüsse
      Nicky

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    2. Das glaube ich dir!
      Ich kann manchmal auch einfach nicht drüber sprechen, weil ich gar nicht erklären kann was mit mir los ist..
      LG

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  2. Fühl dich mal gedrückt. Im Moment scheint es in der Luft zu liegen und du bist nicht allein. Vielleicht klärt der Himmel später auf und der fast volle Mond tröstet dich ein bisschen. Pfleg dich und mach es dir gemütlich.

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    1. Herzlichen Dank! :) <3 Ja, es scheint keine einfache Zeit zu sein, doch ich versuche es so positiv wie möglich anzugehen.

      Herzliche Grüsse
      Nicky

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  3. Darüber zu schreiben ist nur beim ersten Mal ein wenig seltsam,
    und wenn du es als befreiend empfunden hast - Sehr gut - dann
    wird das nächste Mal auch nicht mehr komisch sein, sondern fast
    wie selbstverständlich.

    Und mit jedem weitern Mal kannst du Last ablegen und sie von außen
    betrachten und vor allem, es tut so gut♥
    Wie schon die Vorschreibereien sagten, du bist nicht alleine.

    Herzliche Grüße :-*

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    1. Vielen herzlichen Dank für deine lieben Worte. Es ist wirklich befreiend und auch wenn es Anfangs ziemlich viel Überwindung kostet, es ist auch eine Art Therapie.

      Herzliche Grüsse
      Nicky

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